DAS WAHRHAFTE UND EIGENTLICHE >GELEE ROYALE<

Ebenfalls ein vorzügliches Mittel zur Stärkung der Liebeskraft und des sexuellen Empfindens ist nach Michel Nostradamus das Quittengelee. Er hat aufgeschrieben, wie es richtig zubereitet wird, damit alle Kräfte ungeschmälert erhalten bleiben und der Geschmack unübertroffen ist »so daß man ihn selbst Fürsten und Königen anbieten kann« Nostradamus sagt dazu »Ich versichere und wende mich dabei an die, welche etwas davon verstehen. So wurde das Quittengelee für den seligen König Franz I. hergestellt und für den Kardinal von Clermont. Nach allgemeinem Urteil gab es niemals ein ähnlich gutes. Es wurde auch dem Großmeister von Rhodos zum Geschenk gemacht, als er im Jahr 1526 auf dem Weg von Rhodos durch Avignon kam. Man darf nur an nichts sparen und muß mit allem ( nicht zuletzt mit der verwendeten Zeit ) geradezu verschwenderisch umgehen .

Man nimmt zwölf bis vierzehn schone Quitten, sie werden sorgfaltig geschält und in acht oder zehn Stücke zerteilt Die Kerne entfernt man , dann kocht man die Quitten in reichlich Wasser.  Wenn sie fast weichgekocht sind, gibt man etwa drei Pfund Zucker hinzu und läßt sie weiterkochen. Sobald sie dann so zerkocht sind, daß sie völlig zerfallen und einen Brei bilden, schütten Sie das Ganze durch ein reines Tuch, ohne daß die Quittenmaische ausgepreßt wurde (Wenn man einen Hocker umdreht, das Tuch an den Fußenden festbindet und eine Schüssel darunterstellt, geht es am einfachsten ) Der Saft, der sich in der Schüssel sammelt, wird wieder aufs Feuer gestellt und bei kleiner Flamme gekocht

Wenn Sie sehen, daß Ihr Gelee gut eingekocht ist, machen Sie die Probe, ob es auch wirklich schon fertig ist. Geben Sie einen Tropfen auf einen Teller, und beobachten Sie, ob er schon steif wird, wie eine Perle . Ist es soweit, dann nehmen Sie das Gelee vom Feuer, nachdem Sie es noch einmal kurz, aber kräftig aufkochen ließen. Wenn man das versäumt, kann es passieren, daß das Gelee nach einiger Zeit zerfließt füllen Sie Gläser ab .

Manche geben auch die Kerne der Quitten mit diesen in den Topf. Aber das ist nicht nötig. Das Fruchtfleisch besitzt dieselben Qualitäten wie die Kerne. Andere färben das Gelee mit rotem Sandelholz oder mit Rotholz oder Rosenwasser. Das ist unsinnig und überflüssig. Das Gelee wird ohnedies rot wie ein scharlachroter Wein oder wie ein feuriger Rubin. Fügt man dagegen diese oder jene Farbzusatze bei, dann wird das Gelee mit der Zeit schwarz. Deshalb lassen sich nur unerfahrene Leute dazu verleiten, so etwas zu tun. Wollen Sie ein perfektes Gelee zubereiten, dann verwenden Sie nichts anderes als Zucker und Quitten. Dann wird es von unvergleichlicher Delikatesse, und es vermag alle anderen Konfitüren der Welt zu übertreffen  «

Die Quitte, ursprünglich in Persien beheimatet kam schon früh vor unserer Zeitrechnung nach Griechenland und Rom und wurde als >Venusapfel< der Göttin der Liebe geweiht. Man gebrauchte sie, wohl ihres köstlichen Duftes wegen, als Liebesgeschenk. Noch heute schenkt man in manchen Gegenden Kleinasiens dem Bräutigam am Hochzeitstag eine Quitte. Wenn sie im Garten gut gedieh, sahen die Römer darin ein Symbol des Glückes, der Liebe und der Fruchtbarkeit.

Sehr früh schon müssen die Menschen herausgefunden haben, daß Quitten eine regelnde Wirkung, nicht nur auf den Magen und die Gedärme, sondern auch auf den Unterleib ausüben . Quitten, gebraten und zu Ölen und Essenzen verarbeitet, waren auch noch im Mittelalter, ein beliebtes Mittel, die Monatsblutung in den rechten Rhythmus zu bringen. Im Übermaß eingenommen  wurden damit auch ungewollte Schwangerschaften abgebrochen. Ein unschätzbarer Vorzug der Quitte speziell für Frauen, ist ihr hoher Anteil an Eisen und ihre straffende Wirkung, die sich bei zu niedrigem Blutdruck als blutdrucksteigernd auswirkt

Michel Nostradamus sagte über die Quitte, speziell über das Quittengelee »Es erfüllt gleichzeitig zwei Zwecke Es stärkt nach medizinischem Wissen die Lebenskraft, und es schmeckt köstlich, zu jeder Stunde «  

Womit er nun auch die Sinneswahrnehmung des Schmeckens in seine Heilweisen miteinbezogen hat. Wie der Wohlduft die Harmonie der Kräfte herstellt, so stärkt nach seiner Meinung die köstlich schmeckende Speise die Vitalität »Wenn ein Essen nicht schmeckt, schenkt es auch keine Kraft « Doch Vorsicht mit Süßigkeiten anderer Art: Nostradamus warnt vor Zuckerwaren »Das Süße schwächt die Liebeskraft «

Wobei er diesmal speziell an die Männer gedacht haben mag. Man weiß heute, daß zuviel Zucker im Blut zur Impotenz führen kann. Diabetiker die ihren Zuckergehalt nicht mehr ausreichend regulieren können, weil das Insulin fehlt, haben häufig mit Potenzproblemen zu tun, solange sie ihre Krankheit nicht behandeln lassen. Für sie wäre das Quittengelee nicht das rechte potenzsteigernde Mittel.